Aufstand 2.0?
Dec 17
Harte Zeiten für die Macher von StudiVZ. Nach der Ankündigung neuer AGBs kündigen viele Nutzer an, ihren Account zu löschen - ein Protest gegen die neuen Werbeformen.
Was war passiert? Da StudiVZ dem Holzbrinck-Verlag gehört, möchte der natürlich, wie jedes Unternehmen, langsam aber sicher Geld mit dem StudiVZ verdienen. Dazu wurden am 9.12. seitens StudiVZ neue Allgemeine Geschäftsbedingungen angekündigt. Der Auslöser des Protestes: Der zukünftige Einsatz von personalisierter Werbung - zugeschnitten auf Alter, Geschlecht, Wohnort und Studiengang der Mitglieder. So weit so gut.
Schauen wir mal, was die anderen sozialen Plattformen so machen. Da wäre zum einen das wohl größte Social-Networking Portal der Welt - MySpace.
“Musik, Film, Sport, Mode, Reise, Autos - MySpace-Nutzer verraten auf ihren Profilseiten viele persönliche Vorlieben. Diese Selbstentblößung nutzt der Betreiber nun, um Anzeigenkunden perfekt definierte Zielgruppen anzubieten.” Spiegel Online, 19. September 2007
Aha, MySpace schaltet also Werbung auf Basis der Profile seiner Nutzer. Das kommt mir doch recht bekannt vor.
Und wie sieht’s mit Facebook, dem Vorbild von StudiVZ sozusagen, aus?
“Die Netzwerk-Websites Facebook und Myspace wollen die Möglichkeiten für Werbung bei ihren Nutzern deutlich ausbauen. So solle es bei Facebook künftig möglich sein, die Anzeigen gezielt unter Berücksichtigung zum Beispiel der persönlichen Interessen oder der Lieblingsfilme auszuwählen und zu platzieren, berichtete die US-Tageszeitung «Wall Street Journal» am Montag.”
netzeitung.de, 5. November 2007
Auch das - sehr bekannt.
Facebook geht sogar noch einen Schritt weiter, wie die Netzeitung weiter schreibt:
“Außerdem könnten Nutzer ihr Kaufverhalten zum Beispiel in Online-Shops von Facebook-Werbepartnern aufzeichnen lassen und dann ihre Freunde über ihre Einkäufe auf dem Laufenden halten.”
Es werden also auch Besuche in “Partner-Shops” außerhalb von Facebook aufgezeichnet und Facebook über den Einkauf informiert. Hmm…
Nun schauen wir mal über den Tellerrand der sozialen Platformen hinaus zu den Global Playern des Internet - Google und Amazon.
Google eröffnete im August 2005 seinen E-Mail Dienst “GMail”. Google, mittlerweile der größte Online-Anzeigen Vermarkter der Welt, durchsucht automatisiert die E-Mails seiner Nutzer und blendet daraufhin personalisierte Werbung ein.
Ein Beispiel: Ein Freund erzählt euch in einer E-Mail von einem Ärzte-Konzert, so könnte es sein, dass ihr neben der E-Mail die Werbung eines Konzertkarten-Händlers eingeblendet bekommt. Hier also wieder - personalisierte Werbung.
Dazu kommt noch: Google ist zwar “nicht böse (don’t be evil)”, gibt aber auch keine Interna Preis. Also weiss keiner wirklich, was mit den riesigen Datenmengen passiert, die durch Suchanfragen, E-Mail & Co. zusammenkommen. Und wenn jemand doch ein wenig offen über die eigene Firma plaudert wird er gefeuert. Alles ziemliche Geheimniskrämerei.
Amazon: Sicher kennt jeder die “Kunden kauften auch..”-Funktion. Dabei wird der Einkaufsbummel jedes Kunden aufgezeichnet, sogar alle Artikel, die der Kunde sich nur angesehen hat, und danach für andere Kunden aufbereitet und angezeigt. Da haben wir sie wieder - die personalisierte Werbung.
Und damit zurück ins wirkliche Leben. Wieviele von euch haben eine Payback-Karte? Was passiert überhaupt mit den Daten? Payback weiss jederzeit, was, wann und wo ihr was gekauft habt. Diese Daten werden gesammelt, daraus Kundenprofile erstellt und die Daten verkauft. Und das beste daran ist - ihr stimmt dem ganzen sogar zu!
“Wenn Sie bei der Anmeldung Ihre diesbezügliche Einwilligung erteilt haben, nutzt Loyalty Partner die Basisdaten, freiwilligen Angaben und gemeldeten Rabattdaten zu Zwecken der Marktforschung sowie zur individuellen Erstellung und Versendung ausgewählter Informationen (Werbung) per Post und in weiteren von Ihnen bestellten PAYBACK Services (z.B. E-Mail Newsletter).”
Payback Deutschland, Datenschutzbestimmungen
Fazit: Personalisierte Werbung ist längst überall, keiner kommt daran vorbei. Also was soll das Ganze auf einmal? Nicht das man gar nichts gegen die Verwendung seiner persönlichen Daten zu Werbezwecken tun sollen, doch das Ganze riecht schon stark nach Doppelmoral.
Aber schon niedlich anzusehen - dieser “Aufstand 2.0″.